Wir trauern um Hilde­gunde Rech. Sie hat über viele viele Jahre in Wiesbaden immer wieder viel Gutes angestoßen, Neues ins Leben gerufen, gefördert und umgesetzt. Sie hat »Wiesbaden Engagiert!« erfunden und groß gemacht. Wir werden unsere Chefin vermissen und sind fest entschlossen, ihr großar­tiges Vermächtnis in ihrem Sinne weiterzuführen.

Hildegunde Rech 2018

Nachruf auf die »Erfin­derin« von »Wiesbaden Engagiert!«

Am vergan­genen Freitag ist Hilde­gunde Rech, Leiterin der Abteilung Jugend­arbeit im Amt für Soziale Arbeit, nach einer sich rapide verschlech­ternden Krankheit im Alter von 66 Jahren verstorben. Die Nachricht über ihren Tod kam für uns alle plötzlich und unerwartet. Wir sind fassungslos, betroffen und unendlich traurig.

Mit Hilde­gunde Rech verlieren wir eine langjährige Wegge­fährtin und Kollegin. Mit ihrer Tatkraft, Kreati­vität, Leben­digkeit und Energie hat sie uns inspi­riert und mitge­rissen. Ihr Einsatz für die jungen Menschen in unserer Stadt war beispielhaft. Dabei galt ihr beson­deres Augenmerk denje­nigen, die beson­derer Unter­stützung bedürfen. Hilde­gunde Rech hat sich stets dafür einge­setzt und Lösungen kreiert, damit junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihres Bildungs­stands und ihrer finan­zi­ellen Situation an den Angeboten und Chancen, die Wiesbaden bietet, teilhaben können. Nur beispielhaft seien der Aufbau der “Mobilen Jugend­arbeit“, “Schöne Ferien vor Ort“, die Weiter­ent­wicklung der Famili­en­karte oder „Wiesbaden Inter­na­tional“ mit seiner Idee, inter­na­tionale Begeg­nungen gezielt für finan­ziell weniger leistungs­fähige junge Menschen zu reali­sieren, erwähnt.

Die Stärkung des sozialen Zusam­men­halts in der Stadt war ihr ein beson­deres Anliegen. Mit der Erfindung des Formats “Wiesbaden Engagiert!“ hat sie Personen und Insti­tu­tionen zusam­men­ge­bracht, die sich anders vielleicht nie begegnet wären. Damit hat sie dafür gesorgt, dass Angebote und Leistungen der Sozialen Arbeit von Unter­nehmen wahrge­nommen und wertge­schätzt werden, die sonst wenig von dieser Seite der Stadt mitbe­kommen würden. Es ist ihr mit diesem Format sehr erfolg­reich gelungen, eine gemeinsame Verant­wortung vieler unter­schied­licher Akteure für das Zusam­men­leben in unserer Stadt zu entwi­ckeln. Hilde­gunde Rech war die Vorden­kerin dieses Projekts. Aus Unter­nehmen dieser Stadt sind echte Unter­neh­mens­partner für unser Dezernat geworden. Dies fortzu­führen ist auch in Zukunft unser Auftrag.

20190621 Hildegunde RechWürdigung beim Meeting of Styles 2019

Im Juni 2019 entstand beim Graffiti-Festival Meeting of Styles 2019 unter dem Brückenkopf in Mainz-Kastel ein großes Portrait von Hilde­gunde Rech. Es war eine Überra­schung für sie, ein großar­tiges Danke der Graffi­ti­szene und ein beson­deres Geschenk, das anlässlich ihrer Verab­schiedung aus dem Amt im Herbst diesen Jahres gedacht war. Reali­siert wurde das Kunstwerk vom Graffi­ti­künstler Mate aus Mailand.

Hilde­gunde Rech war stets Anwältin der Inter­essen junger Menschen und hat sich engagiert dafür einge­setzt, dass junge Menschen ihren Platz in der Mitte unserer Gesell­schaft finden und haben. Ob das die Plätze, Treff­mög­lich­keiten, Jugend­räume oder Skater­an­lagen für Jugend­liche in den Stadt­teilen sind, die Unter­stützung bei der Entwicklung des Kultur­parks am Schlachthof oder die Förderung jugend­ty­pi­scher Musik- , Theater- und Kunst­formate – jungen Menschen Betei­li­gungs­mög­lich­keiten zu erschließen und dabei ihre Wünsche und Inter­essen einzu­be­ziehen und zu vertreten war ihr ein großes Anliegen, das sie erfolg­reich und manchmal auch gegen so manche Wider­stände in Wiesbaden umsetzen konnte. Wenn ihr etwas wichtig war, dann konnte sie sehr unbequem sein. Zweifelsohne war Hilde­gunde Rech eine Person mit Ecken und Kanten, eine mit der man streiten konnte. Aber auch dieje­nigen, die in der Sache nicht ihrer Meinung waren, zeigten stets Respekt für ihr Engagement in der Sache – und ihre Hartnäckigkeit.

Ohne sie gäbe es kein “Meeting of Styles“ – ein mittler­weile weltweites Festival der Graffi­ti­kunst, das in Wiesbaden seine Wurzeln hat. Dass die Künstler sie im Juni dieses Jahres in der Galerie am Brückenkopf mit einem eindrucks­vollen Portrait gewürdigt haben, bestätigt die hohe Wertschätzung, die ihr entge­gen­ge­bracht wurde – und wird jetzt nach ihrem plötz­lichen Tod zu einer beson­deren Erinnerung.

Hilde­gunde Rech hat als junge Sozial­ar­bei­terin 1980 im Amt für Soziale Arbeit begonnen, damals als Bezirks­so­zi­al­ar­bei­terin in der AG Soziale Brenn­punkte und war hier zunächst tätig in der damaligen Obdach­lo­sen­siedlung Wachsacker. Es folgten Etappen als Arbeits­grup­pen­lei­terin, unter anderem für Dotzheim und Schel­men­graben, und als Vorsit­zende des Perso­nalrats Stadt­ver­waltung, bevor sie 1991 die Leitung der Abteilung Jugend­arbeit im Amt für Soziale Arbeit übernahm. Dass die Abteilung Jugend­arbeit weit über die Grenzen Wiesbadens hinaus einen ausge­zeich­neten Ruf genießt, ist auch Hilde­gunde Rech zu verdanken.

Die Vorbe­rei­tungen für ihre Verab­schiedung zum Ende ihres Berufs­lebens im November 2019 liefen bereits. Dass wir nun auf diese Weise endgültig von ihr Abschied nehmen müssen, erschüttert uns sehr. Wir verlieren eine sehr kompe­tente und zu Recht anerkannte Fachfrau und einen stets hilfs­be­reiten, verläss­lichen und liebens­werten Menschen. Danke Hildegunde!

Wiesbaden, am 9. September 2019

Christa Enders, Leiterin des Amts für Soziale Arbeit, und Christoph Manjura, Sozialdezernent